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Der Hafen im Web
Ob Internet oder Electronic Data Interchange: Moderne
Informationstechnologie gehört heute zum Alltag in den Seehäfen. Vor
allem die Verlader profitieren davon.
Am 1. Juli 1983
übermittelte die Hamburger Spedition Rohde & Liesenfeld elektronisch
die ersten Schiffszetteldaten über das Datenkommunikationssystem "Dakosy"
an die Hamburger Hafen- und Lagerhaus-AG (HHLA) - und löste damit eine
stille Revolution aus: Zu diesem Zeitpunkt waren erst sechs Spediteure und zwei
Kaiumschlagbetriebe in Deutschlands größtem Seehafen miteinander
vernetzt. Heute sind es nach Angaben von Dakosy-Pressesprecherin Katrin Woywod
über 800 Unternehmen und Institutionen aus der Transportwirtschaft, die
über die Dakosy AG ihre Daten austauschen.
Woywod: "Unsere Kunden
nutzen Electronic Data Interchange (EDI), das Internet oder setzen auf
Application Service Providing (ASP)." Vor allem in die Webeinbindung habe man
viel Arbeit investiert: "Fast alle unsere Anwendungen können mittlerweile
über unser Portal unter www.port-direct.de auch im Internet genutzt
werden." Für den Dakosy-Vorstandsvorsitzenden Volkhard Erdelbrock liegt
das Geschäftsziel mittlerweile in der "breiten logistischen Ausrichtung
für viele Bereiche des Güterverkehrs, nicht mehr nur für den
Hafen." Hier hat das Unternehmen nämlich schon lange seine Wachstumsgrenze
erreicht: Nahezu 100 Prozent des über den Hamburger Hafen laufenden
Datenvolumens werden elektronisch über das Dakosy-Rechenzentrum
abgewickelt. Die Speditions-, Gefahrgut-, Zoll- und Bahnanwendungen werden
zunehmend nicht nur im deutschen Hinterland, sondern auch im Ausland genutzt.
Seit kurzem bietet Dakosy seinen Kunden eine zusätzliche IT-Lösung,
um vor allem die maritimen Waren- und Datenströme weiter zu vereinfachen:
Über die Dakosy-Schnitstelle "Unibook" zur internationalen
Buchungsplattform "Inttra" können die bei Dakosy angeschlossenen
Spediteure und Verlader ihre Container online direkt bei den jeweiligen
Reedereien buchen. Inttra unterstützt die Spediteure oder Verlader nicht
nur kostenlos bei der Containerbuchung über das Internet, sondern auch bei
der Sendungsverfolgung, dem papierlosen Dokumentenaustausch oder Anfragen nach
Seefrachtraten.
Inttra erfasst heute bereits rund 50 Prozent der
Seecontainer weltweit
Schnell habe sich Inttra mit Hauptsitz in
Parsippany, New Jersey/USA, nach dem Start im April 2000 zum Marktführer
entwickelt, erklärt der für Europa, den Mittleren Osten und Afrika
verantwortliche General Manager Henrik Dam Larsen: "Schon heute erreichen wir
mit Inttra rund 50 Prozent der weltweiten. Seecontainertonnage, und es soll
noch mehr werden." Neben über einem Dutzend großer
Container-schiffsreedereien haben sich nach Angaben Larsens bereits über
100 weltweit aktive Speditionen in das Inttra-Netz eingeklinkt. "Inttra wird
von Verladern und Spediteuren gleich aus mehreren Gründen genutzt",
erläutert Larsen: "Sie wollen ihren Arbeitsfluss vereinfachen und
beschleunigen. Dafür haben wir feste Eingabemasken entwickelt, in denen
nur jeweils wenige Informationen verändert werden müssen. So ist eine
Buchungsanfrage oft in nur einer Minute erstellt, schon wenig später kann
die Reederei die Buchung bestätigen." Verladern und Spediteuren
gleichermaßen biete das System zudem eine durchgängige Tracking- und
Tracing-Möglichkeit - übrigens nicht nur über das Internet,
sondern auch über bereits bestehende EDI-Verbindungen.
Vom
Inttra-Start an ist auch Kühne & Nagel mit an Bord, im Juli 2001 wurde
der Logistikdienstleister offizieller Shareholder. "Das räumt uns ein
Mitspracherecht hinsichtlich künftiger Entwicklungen ein", erläuten
Kühne & Nagel-Prokurist Joachim Wohlers vom Geschäftsbereich
Corporate Seafreight Operations. "Unsere mittleren und großen Kunden
arbeiten häufig mit verschiedenen Dienstleistern zusammen, das Portal
bietet allen Partnern die Möglichkeit, über einen einzigen Point of
Entry die Containerbuchungen abzuwickeln. Das führt zu erhöhter
Effizienz und zur Vereinfachung der Prozesse bei den Kunden."
Das
Portal bietet Sendungsverfolgung bis auf Artikelebene
Zusätzlich verfügt Kühne & Nagel über ein
eigenes Portal auf der Homepage. "Über ein persönliches Passwort
erhalten unsere Kunden volle Transparenz bezüglich ihrer
Transportabläufe, künftig werden sie auch hier elektronisch buchen
und die Dokumentenabwicklung vornehmen können. Dabei erlaubt das neue
Order Management System (OMS) den Kunden eine Sendungsverfolgung bis auf
Artikelebene", erklärt Wohlers.
Als Informationsquelle,
Transaktionsplattform, aber auch als Preisfindungstool hat sich das Internet in
der Seeverkehrswirtschaft etabliert: So ist seit Mai 2000 der Global Market
Place, kurz GloMaP, in Hamburg am Netz. "Unsere Idee war es, ein Produkt
bereitzustellen, das Verladern unabhängig von Ort und Zeit erlaubt, ihren
Seetransportbedarf schnell und effizient einer größtmöglichen
Zahl von Transportdienstleistern bekannt zu geben", erläutert
GloMaP-Vorstand Markus Giesenkirchen. "In einem dynamischen
Preisfindungsprozess können die Verlader dann eine Auswahl geeigneter und
preisattraktiver Transportpartner finden." Die GloMaP-Frachtenbörse ist
für Seeverkehre eingerichtet, erlaubt aber auch die Darstellung von Vor-
und Nachläufen.
Die klassische Seefrachtenbörse via Internet
ist mittlerweile jedoch nur noch ein Geschäftsbereich der GloMaP AG.
Giesenkirchen: "In der Vergangenheit haben uns verstärkt
Mittelständler und Großverlader nach Lösungen für
individuelle Anwendungen gefragt, die zusätzliche Kriterien
erfüllen." GloMaP entwickelte daraufhin so genannte Closed und Permanent
Tender: internetbasierte und speziell auf die Kundenbedürfnisse
abgestimmte Ausschreibungsplattformen. Mit ihnen sollen ausgewählte
Spediteure und Logistikunternehmen gezielt angesprochen werden. Giesenkirchen:
"Wir richten unseren Kunden eine eigene Frachtenplattform mit einer eigenen
Internetadresse ein, die genau ihren Vorstellungen entspricht und an ihr
Logistiksystem angepasst ist."
Auch der Hamburger Otto Versand,
übrigens einer der wichtigsten Kunden des Hamburger Hafens vor allem bei
Importcontainern, hat sich für diese Art der Frachtausschreibungen
entschieden und GloMaP mit der Erstellung einer eigenen Frachtenplattform
beauftragt.
Otto will große Transportvolumen nicht offen
ausschreiben
Aufgrund der großen Frachtvolumen, die das
Versandhaus an Transportunternehmen zu vergeben hat, sei eine Ausschreibung
über eine offene Frachtenbörse nicht geeignet, so Giesenkirchen. Otto
möchte in einem geschlossenen Bereich als Ausschreiber auftreten.
Sicherheit sei daher oberstes Gebot, so der Vorstand. Mit dem Closed Tender
werde nur eine begrenzte Zahl an Transportunternehmen angesprochen, die sich
bereits für Otto als Dienstleister bewährt hätten. Nach Ende der
Ausschreibungsfrist ist der Einsatz der Plattform vorerst auch beendet, bei
GloMaP geht die Arbeit dann jedoch erst richtig los: Die Mitarbeiter erstellen
eine Analyse der Angebote, die einerseits das reine Ergebnis beinhaltet,
andererseits aber auch mehrere Szenarien durchspielt, bei denen die
unterschiedlichen Angebote der Spediteure miteinander verbunden
werden.
Zunächst nutzte der Otto Versand den Closed Tender nur
für See- und Luftfrachtausschreibungen, mittlerweile auch für
Landtransporte. "Wesentlich stärker erfolgt die Nutzung der Plattform
mittlerweile aber als Permanent Tender", hat Giesenkirchen festgestellt: "Hier
werden die prompt anfallenden Transporte dargestellt und automatisch an die
angeschlossenen Dienstleister übermittelt - nach oft nur wenigen Stunden
wird der Auftrag erteilt."
Über die genauen Kosten für
Entwicklung und Implementierung der Frachtenplattform sowie für die
Auswertung der Ausschreibung schweigt Giesenkirchen. Nur so viel verrät
der GloMaP-Vorstand: Entweder wird eine Kommission auf Basis der
Frachtabschlüsse verlangt oder eine Verladerpauschale berechnet.
Viele der GloMaP-Kunden, darunter der Konsumgüterhersteller
Beiersdorf oder der Motorsägenhersteller Stihl, nutzen nach Auskunft
Giesenkirchens heute vor allem diesen Permanent Tender von GloMaP. Dazu
gehöre auch eine voll schnittstellenfähige Software, die komplett an
das jeweilige Inhousesystem der Verlader gekoppelt werden könne.
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