|
Makler des globalen
Seetransportes
Die Strukturen und Tätigkeitsbereiche in der
maritimen Wirtschaft haben sich im Zuge des technischen und ökonomischen
Fortschritts enorm gewandelt - auch die des Schiffsmaklers. Die hamburger
wirtschaft' porträtiert mit Beginn dieser Ausgabe in loser folge
hafenbezogene Branchen.
Schiffsmakler sind an Hektik gewöhnt. Sie
agieren weltweit und in unterschiedlichen Zeitzonen, ihr Gespräch
läuft rund um die Uhr. Gesprochen wird Englisch und alle Entscheidung
darüber, ob die Ladung gebucht wird und wirklich an Bord kommt, ist oft
eine Frage von Minuten. Zu Beginn der Verhandlungen wird die Offerte etwa
für ein Schiff mitsamt Charterpreis, technischen Details, Lade- und
Löschhafen und Lade- und Löschbedingungen vom Makler an die
Gegenseite schriftlich weitergeleitet. Die prüft die Liste und meldet
zurück, was nicht akzeptiert wird. Irgendwann nähern sich die
Parteien an und eine der beiden gerät unter Druck: Entweder der Reeder,
weil er eine Anschlussbeschäftigung sucht für sein Schiff, oder der
Befrachter, weil er seinem Abnehmer die Ladung zu einem bestimmten Termin
garantiert hat. Kommt der Abschluss zustande, erhält der Schiffsmakler
eine Provision von der Vertragssumme. Die Hauptaufgabe des Schiffsmaklers
besteht also darin, zwischen Verfrachtern und Befrachtern zu vermitteln. Er
schließt die Lücke zwischen Reeder und Verlader bzw. Handelshaus und
es gibt ihn fast so lange wie den Hamburger Hafen: Die erste Makler-Ordnung
geht auf das Jahr 16452 zurück. Als das Wort Logistik' noch nicht so
inflationär wie heute genutzt wurde, nahm mit der Bedeutung des
Containers, auch die Angebotspalette der Schiffsmakler erheblich zu. Das Motto:
Weg von der konventionellen Güterbeförderung von Hafen zu
Hafen', hin zur umfassenden Logistikkette von Haus zu Haus', die bis tief
ins Hinterland reicht. Die Organisation von Vor- und Nachläufen
einschließlich der Kostenkontrolle der verschiedenen Verkehrsträger
Bahn, Binnenschiff, LKW und Feeder, die Unterhaltung von Containerdepots oder
die Überwachung von Containerreparaturen wurden plötzlich zum
Aufgabenbereich eines erfolgreichen Agenten. Parallel dazu hat sich ein
weiterer Strukturwandel in de Branche ergeben: Während noch vor 30 Jahren
etwa 90 % des gesamten Ladungsvolumen von unabhängigen Agenturen
kontrolliert wurde, sind es heute nur noch rund 20 %. Jürgen Sengpiel,
Geschäftsführer der Firma Menzell & Co. Schiffsmakler: "Fast alle
großen global tätigen Reedereien haben den Verkauf ihrer
Transportdienstleistung mittlerweile in eigene Hände genommen. Für
sie wurden mit zunehmenden Beförderungsmengen eigene
Vertriebsorganisationen, die vorher kostspielig waren, rentabel."
Linienagenturen wiederum hätten sich deshalb heute überwiegend auf
die Vertretung von Reedereien spezialisiert, die nicht global tätig sind
und für die eigene Vertriebsorganisationen nicht lohnen.
[...]
Eine Frachtenbörse im echten Wortsinn bietet die Firma
GloMaP.com' an. Auf ihrer offenen Plattform können Verlader und
Spediteure ihre Transportgeschäfte anonym einstellen und ggf. auch
Reedereien ihre freien Transportkapazitäten anbieten. Als weiteres Produkt
bietet GloMaP.com die Einrichtung individualisierter Firmenplattformen an, auf
denen Verlader ihre Transportkontrakte ausschreiben können.
[...]
|