DVZ, 7. Januar 2006
von MICHAEL HOLLMANN (mph)
 
 
+++ Beiersdorf setzt aufs Portal +++
UTL: 90 Speditionen bereits an Frachten-Einkaufsportal angeschlossen


Wer als Spediteur oder Carrier mit der Beiersdorf AG ins Geschäft kommen möchte, kommt nicht am Internet vorbei. Immer mehr Aufträge werden über die Logistikplattform www.beiersdorf-logistics.com vergeben, die der Konzern in fünfjähriger Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Glomap entwickelt hat.

"Derzeit schreiben wir unser Luftfracht-Spotgeschäft sowie einen Seefracht-Tender mit ca. 300 TEU darüber aus", sagt Klaus-Peter Mikulla, der bei Beiersdorf für das Frachtenportal verantwortlich zeichnet. Wurden anfänglich nur Transporte im Bereich Kosmetik über die Internetseite ausgeschrieben, planen nun auch die Tochtergesellschaften Tesa und Bode "dort ihren Auftritt". Inzwischen sind 90 Dienstleister – ausschließlich Speditionen – an das Tool angeschlossen. "Die Arbeit mit den Carriern ist derzeit noch eher selten", so Mikulla. Vor allem die Reedereien hegen tiefe Skepsis gegenüber den auktionsartigen Internetauschreibungen, bei denen sich die Dienstleister gegenseitig unterbieten. Beiersdorf wendet dabei unterschiedliche Varianten an: Die Palette reicht von "offenen" Auktionen, bei denen alle Preis- und Serviceangebote übersichtlich für alle Teilnehmer dargestellt werden, bis hin zu geschlossenen Runden, in denen weder Preise noch Positionen der Bieter veröffentlicht werden. Die Qualität der Dienstleistung werde ebenso berücksichtigt. So fließen z.B. auch Transitzeiten, Abflugorte und Routings in das Auswahlverfahren ein. Teilnehmen dürfen ohnehin nur angemeldete Dienstleister, die den Qualitätsansanforderungen von Beiersdorf gerecht werden. "Das Tool ersetzt das Telefonieren. Man gibt die Fracht ein, es gibt ein Ergebnis, man analysiert und man vergibt den Transport", schildert der Experte. Die Kommunikation werde auf das Wesentliche reduziert. "Es gibt weniger Rückfragen auf beiden Seiten, dafür mehr Zeit für den gezielten Einkauf und die Auswertung", ist Mikullas Erfahrung. Den persönlichen Kontakt zwischen Kunde und Dienstleister kann das Frachteneinkaufsportal aber nicht ersetzen. "Nach den Tenderausschreibungen ist das gemeinsame Analysegespräch mit den Spediteuren nicht wegzudenken."
Die Dienstleister wurden gleich bei der Entwicklung des Systems mit einbezogen. Das Unternehmen habe mit den Spediteuren im eigenen Hause zusammengesessen und viele Aspekte gemeinsam besprochen und durchleuchtet. "Es wurden Kompetenzgruppen gebildet und diskutiert", so Mikulla, der sich auch von den Carriern mehr Engagement wünscht. Eine Teilnahme biete beträchtliche Chancen: Die Dienstleister hätten die Möglichkeit, "an neuen Geschäften zu partizipieren und sich ein Bild über die Warenflüsse zu verschaffen." Sein Fazit: "Es hat sich herausgestellt, dass die Menschlichkeit darunter nicht leidet und dass die Kontakte genutzt werden, um Konzepte zu verfeinern und eine noch effiziente Logistik für alle Beteiligten zu erzielen."