Management
Die Kultur der Kapitalbeschaffung und der
Kapitalbereitstellung muss sich insbesondere bei kleinen und mittelständischen
Transport- und Speditionsunternehmen schnellstens deutlich ändern. Um es vorweg
zu nehmen, auf der Suche nach Patentrezepten wird man sich im Moment schwer
tun.
Der Rückblick zeigt, dass in Deutschland die
Speditionsunternehmen definitiv damit rechnen müssen, dass sie durch Basel II –
je nach Bonität – mit neuen Einflussfaktoren konfrontiert werden. Dies hängt
u.a. damit zusammen, dass die Branche insgesamt als „schwierig“ eingestuft wird
und somit aufgrund des problematischen Marktumfeldes nie mit einer Topbewertung
geratet wird. Entsprechend wird sich das Vergabeverhalten der Hausbanken bei
Krediten ändern und die Konditionen nur schwer zu bezahlen sein. Die Praxis
zeigt, dass gerade die Unternehmen aus der Speditionswelt oft nicht mal zu
Kreditvergabegesprächen eingeladen werden, da die Eigenkapitalquote weit unter
20 Prozent liegt.
Natürlich gibt es neben den klassischen Finanzierungswegen
in der Zwischenzeit neue Wege sich (Eigen-)Kapital zu beschaffen. Prinzipiell
ist dies seit der Existenz von Eigenkapital-gebern
(Private-Equity-Gesellschaften) bereits möglich. Begriffe wie u.a.
Gründungs-finanzierung oder Expansionsfinanzierung sind maßgeblich durch die
Private Equity und Venture Capital Gesellschaften (VC) Anfang der 90er Jahre in
den deutschen Markt eingeführt worden. Doch wie sieht die Realität für
Transport- und Speditionsunternehmen in Wirklichkeit aus?
Auf der Suche nach Unternehmen aus dem klassischen
Speditions- und Logistikumfeld, die bereits erfolgreich mit einem solchen
Kapitalgeber zusammenarbeiten, wird deutlich, dass dies bisher nur einer
bescheidenen Minderheit vorbehalten blieb. So beklagen in diesem Zusammenhang in
einer Umfrage zum Thema Venture Capital und Logistik rund 60% der befragten
Beteiligungsgesellschaften, dass die Logistikbranche nicht die
Wachstums-potenziale bietet, die für ein Kapitalengagement von Interesse sind.
Dies sei u.a. auf die stark reglementierten Verkehrsbedingungen zurückzuführen.
Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in den bereits bestehenden
Branchenschwerpunkten der 66 befragten VC-Gesellschaften wieder. Denn nur 14%
sehen in der Logistikdienstleistung u.a. einen Branchenschwerpunkt.
Sicherlich werden die mangelnden Engagements der
Kapitalgeber durch das insgesamt schlechte Branchenrating einerseits und der
mangelnden Potenzialdarstellungen in den Businessplänen der
Speditionsunternehmen anderseits nicht gerade positiv beeinflusst. Weiterhin
zeigt die Umfrage deutlich, dass die große Mehrheit der
Unternehmensbeteiligungen an Unternehmen aus dem Logistikbereich aus den
angrenzenden Segmenten stammt. Hierzu zählen im Wesentlichen
Logistiksoftwareunternehmen oder Betreiber von elektronischen Logistikmarktplätzen
bzw. Frachtenbörsen.
Weiterhin kommt hinzu, dass sich im Moment die
Beteiligungsbranche in einer Konsolidierungsphase befindet, u.a. aufgrund des
Zusammenbruchs des Börsenmarktes und der damit verbundenen hohen Anzahl an
Unternehmensinsolvenzen innerhalb des Portfolios. Aufgrund dieser Tatsache sind
die renditeorientierten VC-Gesellschaften vornehmlich an Unternehmen mit
zweistelligen Wachstumsraten pro Jahr interessiert.
Für den deutschen Beteiligungsmarkt ist es erforderlich,
eine Unterscheidung zwischen
gemeinwirtschaftlichen, d. h.
Beteiligungsgesellschaften zur Wirtschaftsförderung, und
renditeorientierten
Beteiligungsgebern vorzunehmen.
Erwerbswirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften
sind bei ihren Beteiligungsengagements an chancenreichen Beteiligungsobjekten
mit maximaler Rendite bei möglichst geringem Ausfallrisiko interessiert. Unter
diesem Aspekt ist es verständlich, dass das Gros an renditeorientierten
Beteiligungsgesellschaften vornehmlich an wachstums-/ertragsstarken und gut
geführten mittelständischen Betrieben beteiligt.Durch eine solche Beschränkung auf wenige
größere Unternehmen werden die Verwaltungs- und Bearbeitungskosten reduziert.
Weitere Aufgaben sind neben der technischen Expertise, um
den möglichen Erfolg des Kapitalnehmers einschätzen zu können, in der
Kapitalakquisition und in der Überwachung der Geschäftsentwicklung der
Portfoliounternehmen während der Laufzeit der Beteiligung und der Betreuung zu
sehen.
Gemeinwirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften orientieren sich
an einer kostendeckenden Rendite, wobei erzielte Gewinne nicht ausgeschüttet
werden dürfen, sondern in die Rücklagen eingestellt werden müssen.
Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) sind bestrebt, möglichst
einer größeren Anzahl von kleinen und mittleren Betrieben zusätzliches
Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Sie verstehen sich als Instrument der
Mittelstandsförderung bzw. als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft, bei denen
Beteiligungen zur Konsolidierung der Finanzverhältnisse sowie reine
Sanierungsbeteiligungen ausgeschlossen sind. Somit soll eine langfristige,
erfolgreiche Geschäftstätigkeit gewährleistet sein. Mittelständische
Beteiligungsgesellschaften müssen auf öffentliche Förderprogramme zurückgreifen
-wie z.B. Mittel aus dem European Recovery Programm (ERP)- und die Unterstützung
der Portfoliounternehmen beschränkt sich meist auf Finanzierungs- oder kaufmännische
Fragen. Sie sind Teil eines (öffentlichen) Unterstützungsnetzwerkes, das sie
auch für die Betreuung ihrer Portfoliounternehmen nutzen.
Nun fragt man sich natürlich, gibt es überhaupt positiv
verlaufende Beispiele, bei dem eine mittelständisches Speditionsunternehmen mit
einer Beteiligungsgesellschaft zusammenarbeitet. Zum Einen gibt es hierüber
keine öffentlichen Informationsquellen und zum Anderen wollen die wenigen die
es gibt, nicht darüber öffentlich sprechen. Was auch verständlich ist, da es
nach wie vor ein sehr sensibler Bereich insbesondere bei deutschen Unternehmen
ist.
Nicht so bei Markus Giesenkirchen, Vorstand der GloMaP.com
AG in Hamburg, der erfolgreich von Beginn an mit einer VC-Gesellschaft
zusammenarbeitet. GloMaP als Betreiber von elektronischen Logistikmarktplätzen
musste von Beginn an mit externem Kapital rechnen, um überhaupt die Geschäftsidee
stufenweise aufzubauen und umsetzen zu können (siehe Kasten 1).
Die Zusammenarbeit und Auswahl einer Beteilungsgesellschaft
Wie bereits erwähnt, kann aus der momentanen schlechten
Stimmung am Markt, kein allgemeingültiges Problem für die Logistikunternehmen
abgeleitet werden. Ob ein eventuelles Engagement mit einer VC-Gesellschaft für
das einzelne Logistikunternehmen erfolgsversprechend ist oder nicht, hängt in
erster Linie vom Unternehmer selbst ab. Ein solches Projekt muss mit größter
Sorgfalt vorbereitet und kommuniziert werden.
Der Unternehmer muss sich von dem Gedanken lösen, dass eine
Beteiligungsgesellschaft die Entscheidungsfreiheit und/oder die Kontrolle des
Unternehmens ganz an sich zieht. Allein die Tatsache, dass die Mehrzahl der Beteiligungsgesellschaften
ein Minderheitsbeteiligung anstrebt und somit kein unternehmerischen Einfluss
sucht, sollte den Unternehmer dazu bewegen die Beteiligung als eine
Partnerschaft anzusehen. Natürlich ist es selbstverständlich, dass das
Unternehmen periodisch die Beteiligungsgesellschaft über die Geschäftsentwicklung
informiert. Festgelegt werden im Vorfeld die Art und der Umfang der Kooperation
in Bezug auf Informations- und Mitentscheidungsrecht (siehe Kasten 2). Auch der
Gesichtspunkt, dass Beteiligungsgesellschaften Managementunterstützung und die
Nutzung ihres Beziehungsgeflechtes anbieten, sollte den Unternehmer positiv
stimmen, da er im Vorfeld festlegen kann inwieweit er diese Unterstützung in
Anspruch nehmen will. In Entscheidungen die für das Unternehmen von größter
Wichtigkeit sein könnten, möchte im Prinzip die Beteiligungsgesellschaft
involviert sein. Die Unterstützung kann je nach Angebot für alle Bereiche des
Unternehmens in Anspruch genommen werden. Hierzu gehören u.a. Finanzierung,
Personal, Strategie, Vertrieb etc. Ein solche Partnerschaft ist vor diesem
Hintergrund eher als Partnerschaft auf Zeit zu sehen und weniger als eine Art
„Ehe“. Eine Beteiligungsgesellschaft sieht sich nicht als Retter in der Not und
deshalb ist es umso verständlicher, dass sie nicht an sanierungsbedürftigen
Unternehmen sondern an Unternehmen mit „hohen“ Wachstumsperspektiven
interessiert ist.
Die Notwendigkeit eines Businessplanes
Der Aufwand für die Auswahl und Ansprache einer
Beteiligungsgesellschaft kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Der Aufwand
besteht im wesentlichen im Erstellen eines Businessplan und in der Auswahl
einer geeigneten Beteiligungsgesellschaft. Hierzu liefert der Bundesverband
Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (www.bvk-ev.de) wertvolle Hinweise
(siehe Kasten 3). Wichtig ist es, eine sehr genaue Auswahl des potentiellen
Geldgebers vorzunehmen, da nur so gewährleistet werden kann, dass die
längerfristig angelegte Beziehung erfolgsversprechend ist. Es sollte auf jeden
Fall vermieden werden, hier große Mailingaktionen zu starten, da hier die
VC-Gesellschaften in der Regel von vorneherein abschotten.
Oftmals wird dieser Businessplan von den Unternehmen
unterschätzt, was dazu führen kann, dass gleich im ersten Anlauf der Kontakt scheitert.
Für das kapitalsuchende Speditionsunternehmen stellt der Businessplan die Basis
für den erfolgreichen Ausbau des Unternehmens dar. Denn hiermit setzt sich der
Unternehmer bzw. das Management intensiv mit der Zukunft des Unternehmens
auseinander und legt die Strategie fest. Weiterhin dient der Businessplan als
sogenannter „roter Faden“ bei der Umsetzung der Strategie bzw. bei der Entwicklung
des Unternehmens.
In der Praxis hat sich folgender Aufbau bewährt:
Zusammenfassung (Executive Summary)
Unternehmensbeschreibung (Chronologischer Ablauf, Rechts-/Beteiligungsstruktur,Kennzahlen, Stärken / Schwächen der Unternehmung, geplante Schritte)
Produkte /Dienstleistungen
Markt- und Wettbewerbssituation (Chancen-/Risikoanalyse der Branche)
Marketingkonzept
Vorhandenes Management/Organisationsstruktur
Risikoanalyse
Finanzwirtschaftliche Daten
Dieser Businessplan ist generell eine unentbehrliche
Niederschrift für die Kapitalbeschaffung sowohl bei Banken als auch bei
potentiellen Beteiligungsgesellschaften.
Kasten 1 – Interview mit Markus Giesenkirchen
„Die bisherige Zusammenarbeit mit unserem Investor lief gut“
Die VC-Gesellschaft hat das zum Aufbau der Unternehmung
notwendige finanzielle Kapital beigetragen. Ohne Bereitstellung des Kapitals wäre
der schnelle Aufbau so nicht zu realisieren gewesen. Bei der Auswahl der
VC-Gesellschaft muss zunächst die persönliche Ebene stimmen. Wenn schon zu
Anfang der Beziehung die Chemie nicht stimmt, wird das folgende Miteinander
(das ja meist auf eine längere Form der Kooperation ausgelegt ist) immer
schwieriger. Man sollte insbesondere die finanzielle Verhältnisse des
Kapitalsgebers beurteilen. Risiken sind zu erwarten, wenn insbesondere die
Finanzierung nicht in Form einer z. B. einmaligen Kapitaleinlage vorgenommen
wird, sondern wenn es Kapitalzahlungen gibt, die z. B. an definierte Milestones
über einen definierten Zeitraum von zwei Jahren gebunden sind. Hierbei kann es
passieren, dass dem Kapitalgeber selbst die finanzielle Puste ausgeht. Bei
Beteiligungsverträgen, die ein Investment über das Erreichen von Milesstones
wie z.B. Umsatz vorsehen, muss eine klare Definition dieser Milestones
vorliegen. Umsatz aus Geschäfststätigkeit oder gilt auch ein neutraler Ertrag
hierbei (Definition z.B. eines 'aktiver Kunden'). Ist ein einmalig aktiv
gewordener Kunde ein aktiver Kunde im Sinne von 'echter Aktivität'? Je klarer
die Definition, desto geringer spätere
Überraschungen durch Neu-Interpretationen.
Wir haben bei der Auswahl der Gesellschaft den Erstkontakt per Telefon
gestartet, um a) den richtigen Gesprächspartner zu identifizieren und b) das
Interesse an der Geschäftsidee, Business Plan und die Form einer eventuellen
Zusammenarbeit zu erkennen. Nach baldigem Zeichnen eines Non-Disclosure
Agreements erfolgte dann eine Konkretisierung der Gespräche in persönlichen
Meetings.
Bei unserer Partnerschaft handelt es sich um eine hands-off Partnerschaft. Es
war weder Ziel der Unternehmung noch Wunsch des Kapitalgebers, dass eine
'Mitführung' der Gesellschaft seitens des Kapitalgebers vorgenommen wird. Neben
dem vereinbarten Finanz-Reporting der Gesellschaft über seinen Vorstand an die
Kapitalgeber hat der Kapitalgeber u.a. einen Aufsichtsratssitz der AG inne, so
dass hier ein gewisser inhaltlicher Einfluss auf den die Geschäftsführung
ausübenden Vorstand genommen werden kann. Fachliche Entscheidungen aber
verbleiben - ganz bewusst aufgrund des Know-Hows - beim Vorstand.
Fokus der Partnerschaft liegt sehr stark auf den rein monetären Vorteilen für
GloMaP. Weitere Vorteile wie Bereitstellung von Kontakten, Netzwerk-Integration
sind eher zufällig und nicht Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit.
Der Kapitalgeber hat die zur Gründung zwingend gewünschten und erforderlichen
finanziellen Ressourcen bereitgestellt. Dem Management der Aktiengesellschaft
obliegt die alleinige Führung der Gesellschaft, so dass es keine Rücksprache
mit dem Kapitalgeber hinsichtlich operativer und strategischer Fragen gibt.
Investments der Gesellschaft ab einer bestimmten Höhe werden dem Kapitalgeber
vorgestellt, ebenso wie mögliche Einstellungen
auf Vorstandsebene. Es gibt heute ein ausgefeiltes monatliches Reporting an den
Kapitalgeber.
Kontakt: Markus Giesenkirchen,
GloMaP.com AG, Rathausstraße 12, D-20095 Hamburg,
Tel : +49-40-46 00 48-0, Fax: +49-40-46 00 48-48,
Internet:
www.GloMaP.com, eMail:
contact@GloMaP.com
Kasten 2
Wie findet man den richtigen Beteiligungspartner
Um aus der Vielzahl der Beteiligungsgesellschaften den
geeigneten Partner zu finden, muss der kapitalsuchende Logistikdienstleister
folgende Fragen beantworten:
Welches Beteiligungsvolumen wird benötigt?
Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung?
Art des Beteiligungsverhältnisses (direkte oder typisch/atypisch stille Beteiligung)?
Dauer der Beteiligung?
Besteht ein Branchenfokus bei der Beteiligungsgesellschaft?
Wird den räumlichen Präferenzen entsprochen?
Welches sind die Eigentümer der Beteiligungsgesellschaft?
Welche Exitstrategie (Buy Back, Going public, Trade sales etc.) wird angestrebt?
Anhand dieser und allgemeiner
Informationen lassen sich potentielle Beteiligungs-gesellschaften
herausfiltern. Um mit einer Beteiligungsgesellschaft zielgerichtet
zusammenarbeiten zu können sollten die ´Diversen Filter´ folgende
Fragestellungen beinhalten:
Bietet die Beteiligungsgesellschaft Beteiligungen auf Dauer an?
Bleibt die unternehmerische Führung ganz beim Unternehmer?
Beschränkt sich die Beteiligungsgesellschaft auf die reine Kapitalbeschaffung oder bietet sie auch zusätzliche Wertschöpfungspotentiale an?
Wie sieht das Beteiligungsportfolio der Beteiligungsgesellschaft aus?
Wie finanzkräftig ist die Beteiligungsgesellschaft für eventuelle weitere Kapitalerhöhungen und wie sehen die Rahmenbedingungen hierzu aus?
[...]
Autor:
Dipl.-Ing./Dipl.-Wirtsch.-Ing. Martin Stoll, Partner von
LOGO-TEAM, Unternehmensberater für Logistik und Organisation, Hamburg,
Karlsruhe, www.logo-team.com, info@logo-team.com