Verkehrsrundschau, 19.12.2003
Beteiligungsgesellschaften - Management
 
 
Management

Die Kultur der Kapitalbeschaffung und der Kapitalbereitstellung muss sich insbesondere bei kleinen und mittelständischen Transport- und Speditionsunternehmen schnellstens deutlich ändern. Um es vorweg zu nehmen, auf der Suche nach Patentrezepten wird man sich im Moment schwer tun.

Der Rückblick zeigt, dass in Deutschland die Speditionsunternehmen definitiv damit rechnen müssen, dass sie durch Basel II – je nach Bonität – mit neuen Einflussfaktoren konfrontiert werden. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass die Branche insgesamt als „schwierig“ eingestuft wird und somit aufgrund des problematischen Marktumfeldes nie mit einer Topbewertung geratet wird. Entsprechend wird sich das Vergabeverhalten der Hausbanken bei Krediten ändern und die Konditionen nur schwer zu bezahlen sein. Die Praxis zeigt, dass gerade die Unternehmen aus der Speditionswelt oft nicht mal zu Kreditvergabegesprächen eingeladen werden, da die Eigenkapitalquote weit unter 20 Prozent liegt.

Natürlich gibt es neben den klassischen Finanzierungswegen in der Zwischenzeit neue Wege sich (Eigen-)Kapital zu beschaffen. Prinzipiell ist dies seit der Existenz von Eigenkapital-gebern (Private-Equity-Gesellschaften) bereits möglich. Begriffe wie u.a. Gründungs-finanzierung oder Expansionsfinanzierung sind maßgeblich durch die Private Equity und Venture Capital Gesellschaften (VC) Anfang der 90er Jahre in den deutschen Markt eingeführt worden. Doch wie sieht die Realität für Transport- und Speditionsunternehmen in Wirklichkeit aus?

Auf der Suche nach Unternehmen aus dem klassischen Speditions- und Logistikumfeld, die bereits erfolgreich mit einem solchen Kapitalgeber zusammenarbeiten, wird deutlich, dass dies bisher nur einer bescheidenen Minderheit vorbehalten blieb. So beklagen in diesem Zusammenhang in einer Umfrage zum Thema Venture Capital und Logistik rund 60% der befragten Beteiligungsgesellschaften, dass die Logistikbranche nicht die Wachstums-potenziale bietet, die für ein Kapitalengagement von Interesse sind. Dies sei u.a. auf die stark reglementierten Verkehrsbedingungen zurückzuführen. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch in den bereits bestehenden Branchenschwerpunkten der 66 befragten VC-Gesellschaften wieder. Denn nur 14% sehen in der Logistikdienstleistung u.a. einen Branchenschwerpunkt.

Sicherlich werden die mangelnden Engagements der Kapitalgeber durch das insgesamt schlechte Branchenrating einerseits und der mangelnden Potenzialdarstellungen in den Businessplänen der Speditionsunternehmen anderseits nicht gerade positiv beeinflusst. Weiterhin zeigt die Umfrage deutlich, dass die große Mehrheit der Unternehmensbeteiligungen an Unternehmen aus dem Logistikbereich aus den angrenzenden Segmenten stammt. Hierzu zählen im Wesentlichen Logistiksoftwareunternehmen oder Betreiber von elektronischen Logistikmarktplätzen bzw. Frachtenbörsen.

Weiterhin kommt hinzu, dass sich im Moment die Beteiligungsbranche in einer Konsolidierungsphase befindet, u.a. aufgrund des Zusammenbruchs des Börsenmarktes und der damit verbundenen hohen Anzahl an Unternehmensinsolvenzen innerhalb des Portfolios. Aufgrund dieser Tatsache sind die renditeorientierten VC-Gesellschaften vornehmlich an Unternehmen mit zweistelligen Wachstumsraten pro Jahr interessiert.

Für den deutschen Beteiligungsmarkt ist es erforderlich, eine Unterscheidung zwischen gemeinwirtschaftlichen, d. h. Beteiligungsgesellschaften zur Wirtschaftsförderung, und renditeorientierten Beteiligungsgebern vorzunehmen. Erwerbswirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften sind bei ihren Beteiligungsengagements an chancenreichen Beteiligungsobjekten mit maximaler Rendite bei möglichst geringem Ausfallrisiko interessiert. Unter diesem Aspekt ist es verständlich, dass das Gros an renditeorientierten Beteiligungsgesellschaften vornehmlich an wachstums-/ertragsstarken und gut geführten mittelständischen Betrieben beteiligt.Durch eine solche Beschränkung auf wenige größere Unternehmen werden die Verwaltungs- und Bearbeitungskosten reduziert.

Weitere Aufgaben sind neben der technischen Expertise, um den möglichen Erfolg des Kapitalnehmers einschätzen zu können, in der Kapitalakquisition und in der Überwachung der Geschäftsentwicklung der Portfoliounternehmen während der Laufzeit der Beteiligung und der Betreuung zu sehen. Gemeinwirtschaftliche Beteiligungsgesellschaften orientieren sich an einer kostendeckenden Rendite, wobei erzielte Gewinne nicht ausgeschüttet werden dürfen, sondern in die Rücklagen eingestellt werden müssen. Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) sind bestrebt, möglichst einer größeren Anzahl von kleinen und mittleren Betrieben zusätzliches Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Sie verstehen sich als Instrument der Mittelstandsförderung bzw. als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft, bei denen Beteiligungen zur Konsolidierung der Finanzverhältnisse sowie reine Sanierungsbeteiligungen ausgeschlossen sind. Somit soll eine langfristige, erfolgreiche Geschäftstätigkeit gewährleistet sein. Mittelständische Beteiligungsgesellschaften müssen auf öffentliche Förderprogramme zurückgreifen -wie z.B. Mittel aus dem European Recovery Programm (ERP)- und die Unterstützung der Portfoliounternehmen beschränkt sich meist auf Finanzierungs- oder kaufmännische Fragen. Sie sind Teil eines (öffentlichen) Unterstützungsnetzwerkes, das sie auch für die Betreuung ihrer Portfoliounternehmen nutzen.

Nun fragt man sich natürlich, gibt es überhaupt positiv verlaufende Beispiele, bei dem eine mittelständisches Speditionsunternehmen mit einer Beteiligungsgesellschaft zusammenarbeitet. Zum Einen gibt es hierüber keine öffentlichen Informationsquellen und zum Anderen wollen die wenigen die es gibt, nicht darüber öffentlich sprechen. Was auch verständlich ist, da es nach wie vor ein sehr sensibler Bereich insbesondere bei deutschen Unternehmen ist.

Nicht so bei Markus Giesenkirchen, Vorstand der GloMaP.com AG in Hamburg, der erfolgreich von Beginn an mit einer VC-Gesellschaft zusammenarbeitet. GloMaP als Betreiber von elektronischen Logistikmarktplätzen musste von Beginn an mit externem Kapital rechnen, um überhaupt die Geschäftsidee stufenweise aufzubauen und umsetzen zu können (siehe Kasten 1).

Die Zusammenarbeit und Auswahl einer Beteilungsgesellschaft

Wie bereits erwähnt, kann aus der momentanen schlechten Stimmung am Markt, kein allgemeingültiges Problem für die Logistikunternehmen abgeleitet werden. Ob ein eventuelles Engagement mit einer VC-Gesellschaft für das einzelne Logistikunternehmen erfolgsversprechend ist oder nicht, hängt in erster Linie vom Unternehmer selbst ab. Ein solches Projekt muss mit größter Sorgfalt vorbereitet und kommuniziert werden.

Der Unternehmer muss sich von dem Gedanken lösen, dass eine Beteiligungsgesellschaft die Entscheidungsfreiheit und/oder die Kontrolle des Unternehmens ganz an sich zieht. Allein die Tatsache, dass die Mehrzahl der Beteiligungsgesellschaften ein Minderheitsbeteiligung anstrebt und somit kein unternehmerischen Einfluss sucht, sollte den Unternehmer dazu bewegen die Beteiligung als eine Partnerschaft anzusehen. Natürlich ist es selbstverständlich, dass das Unternehmen periodisch die Beteiligungsgesellschaft über die Geschäftsentwicklung informiert. Festgelegt werden im Vorfeld die Art und der Umfang der Kooperation in Bezug auf Informations- und Mitentscheidungsrecht (siehe Kasten 2). Auch der Gesichtspunkt, dass Beteiligungsgesellschaften Managementunterstützung und die Nutzung ihres Beziehungsgeflechtes anbieten, sollte den Unternehmer positiv stimmen, da er im Vorfeld festlegen kann inwieweit er diese Unterstützung in Anspruch nehmen will. In Entscheidungen die für das Unternehmen von größter Wichtigkeit sein könnten, möchte im Prinzip die Beteiligungsgesellschaft involviert sein. Die Unterstützung kann je nach Angebot für alle Bereiche des Unternehmens in Anspruch genommen werden. Hierzu gehören u.a. Finanzierung, Personal, Strategie, Vertrieb etc. Ein solche Partnerschaft ist vor diesem Hintergrund eher als Partnerschaft auf Zeit zu sehen und weniger als eine Art „Ehe“. Eine Beteiligungsgesellschaft sieht sich nicht als Retter in der Not und deshalb ist es umso verständlicher, dass sie nicht an sanierungsbedürftigen Unternehmen sondern an Unternehmen mit „hohen“ Wachstumsperspektiven interessiert ist.

Die Notwendigkeit eines Businessplanes

Der Aufwand für die Auswahl und Ansprache einer Beteiligungsgesellschaft kann mehrere Monate in Anspruch nehmen. Der Aufwand besteht im wesentlichen im Erstellen eines Businessplan und in der Auswahl einer geeigneten Beteiligungsgesellschaft. Hierzu liefert der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (www.bvk-ev.de) wertvolle Hinweise (siehe Kasten 3). Wichtig ist es, eine sehr genaue Auswahl des potentiellen Geldgebers vorzunehmen, da nur so gewährleistet werden kann, dass die längerfristig angelegte Beziehung erfolgsversprechend ist. Es sollte auf jeden Fall vermieden werden, hier große Mailingaktionen zu starten, da hier die VC-Gesellschaften in der Regel von vorneherein abschotten.

Oftmals wird dieser Businessplan von den Unternehmen unterschätzt, was dazu führen kann, dass gleich im ersten Anlauf der Kontakt scheitert. Für das kapitalsuchende Speditionsunternehmen stellt der Businessplan die Basis für den erfolgreichen Ausbau des Unternehmens dar. Denn hiermit setzt sich der Unternehmer bzw. das Management intensiv mit der Zukunft des Unternehmens auseinander und legt die Strategie fest. Weiterhin dient der Businessplan als sogenannter „roter Faden“ bei der Umsetzung der Strategie bzw. bei der Entwicklung des Unternehmens.

In der Praxis hat sich folgender Aufbau bewährt:

  • Zusammenfassung (Executive Summary)
  • Unternehmensbeschreibung (Chronologischer Ablauf, Rechts-/Beteiligungsstruktur,Kennzahlen, Stärken / Schwächen der Unternehmung, geplante Schritte)
  • Produkte /Dienstleistungen
  • Markt- und Wettbewerbssituation (Chancen-/Risikoanalyse der Branche)
  • Marketingkonzept
  • Vorhandenes Management/Organisationsstruktur
  • Risikoanalyse
  • Finanzwirtschaftliche Daten


  • Dieser Businessplan ist generell eine unentbehrliche Niederschrift für die Kapitalbeschaffung sowohl bei Banken als auch bei potentiellen Beteiligungsgesellschaften.




    Kasten 1 – Interview mit Markus Giesenkirchen

    „Die bisherige Zusammenarbeit mit unserem Investor lief gut“

    Die VC-Gesellschaft hat das zum Aufbau der Unternehmung notwendige finanzielle Kapital beigetragen. Ohne Bereitstellung des Kapitals wäre der schnelle Aufbau so nicht zu realisieren gewesen. Bei der Auswahl der VC-Gesellschaft muss zunächst die persönliche Ebene stimmen. Wenn schon zu Anfang der Beziehung die Chemie nicht stimmt, wird das folgende Miteinander (das ja meist auf eine längere Form der Kooperation ausgelegt ist) immer schwieriger. Man sollte insbesondere die finanzielle Verhältnisse des Kapitalsgebers beurteilen. Risiken sind zu erwarten, wenn insbesondere die Finanzierung nicht in Form einer z. B. einmaligen Kapitaleinlage vorgenommen wird, sondern wenn es Kapitalzahlungen gibt, die z. B. an definierte Milestones über einen definierten Zeitraum von zwei Jahren gebunden sind. Hierbei kann es passieren, dass dem Kapitalgeber selbst die finanzielle Puste ausgeht. Bei Beteiligungsverträgen, die ein Investment über das Erreichen von Milesstones wie z.B. Umsatz vorsehen, muss eine klare Definition dieser Milestones vorliegen. Umsatz aus Geschäfststätigkeit oder gilt auch ein neutraler Ertrag hierbei (Definition z.B. eines 'aktiver Kunden'). Ist ein einmalig aktiv gewordener Kunde ein aktiver Kunde im Sinne von 'echter Aktivität'? Je klarer die Definition, desto geringer spätere
    Überraschungen durch Neu-Interpretationen.

    Wir haben bei der Auswahl der Gesellschaft den Erstkontakt per Telefon gestartet, um a) den richtigen Gesprächspartner zu identifizieren und b) das Interesse an der Geschäftsidee, Business Plan und die Form einer eventuellen Zusammenarbeit zu erkennen. Nach baldigem Zeichnen eines Non-Disclosure Agreements erfolgte dann eine Konkretisierung der Gespräche in persönlichen Meetings.

    Bei unserer Partnerschaft handelt es sich um eine hands-off Partnerschaft. Es war weder Ziel der Unternehmung noch Wunsch des Kapitalgebers, dass eine 'Mitführung' der Gesellschaft seitens des Kapitalgebers vorgenommen wird. Neben dem vereinbarten Finanz-Reporting der Gesellschaft über seinen Vorstand an die Kapitalgeber hat der Kapitalgeber u.a. einen Aufsichtsratssitz der AG inne, so dass hier ein gewisser inhaltlicher Einfluss auf den die Geschäftsführung ausübenden Vorstand genommen werden kann. Fachliche Entscheidungen aber verbleiben - ganz bewusst aufgrund des Know-Hows - beim Vorstand.

    Fokus der Partnerschaft liegt sehr stark auf den rein monetären Vorteilen für GloMaP. Weitere Vorteile wie Bereitstellung von Kontakten, Netzwerk-Integration sind eher zufällig und nicht Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit.

    Der Kapitalgeber hat die zur Gründung zwingend gewünschten und erforderlichen finanziellen Ressourcen bereitgestellt. Dem Management der Aktiengesellschaft obliegt die alleinige Führung der Gesellschaft, so dass es keine Rücksprache mit dem Kapitalgeber hinsichtlich operativer und strategischer Fragen gibt. Investments der Gesellschaft ab einer bestimmten Höhe werden dem Kapitalgeber vorgestellt, ebenso wie mögliche Einstellungen
    auf Vorstandsebene. Es gibt heute ein ausgefeiltes monatliches Reporting an den Kapitalgeber.

    Kontakt: Markus Giesenkirchen,
    GloMaP.com AG, Rathausstraße 12, D-20095 Hamburg,
    Tel : +49-40-46 00 48-0, Fax: +49-40-46 00 48-48,
    Internet: www.GloMaP.com, eMail: contact@GloMaP.com

    Kasten 2

    Wie findet man den richtigen Beteiligungspartner

    Um aus der Vielzahl der Beteiligungsgesellschaften den geeigneten Partner zu finden, muss der kapitalsuchende Logistikdienstleister folgende Fragen beantworten:

  • Welches Beteiligungsvolumen wird benötigt?
  • Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung?
  • Art des Beteiligungsverhältnisses (direkte oder typisch/atypisch stille Beteiligung)?
  • Dauer der Beteiligung?
  • Besteht ein Branchenfokus bei der Beteiligungsgesellschaft?
  • Wird den räumlichen Präferenzen entsprochen?
  • Welches sind die Eigentümer der Beteiligungsgesellschaft?
  • Welche Exitstrategie (Buy Back, Going public, Trade sales etc.) wird angestrebt?


  • Anhand dieser und allgemeiner Informationen lassen sich potentielle Beteiligungs-gesellschaften herausfiltern. Um mit einer Beteiligungsgesellschaft zielgerichtet zusammenarbeiten zu können sollten die ´Diversen Filter´ folgende Fragestellungen beinhalten:

  • Bietet die Beteiligungsgesellschaft Beteiligungen auf Dauer an?
  • Bleibt die unternehmerische Führung ganz beim Unternehmer?
  • Beschränkt sich die Beteiligungsgesellschaft auf die reine Kapitalbeschaffung oder bietet sie auch zusätzliche Wertschöpfungspotentiale an?
  • Wie sieht das Beteiligungsportfolio der Beteiligungsgesellschaft aus?
  • Wie finanzkräftig ist die Beteiligungsgesellschaft für eventuelle weitere Kapitalerhöhungen und wie sehen die Rahmenbedingungen hierzu aus?



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    Autor:
    Dipl.-Ing./Dipl.-Wirtsch.-Ing. Martin Stoll, Partner von LOGO-TEAM, Unternehmensberater für Logistik und Organisation, Hamburg, Karlsruhe, www.logo-team.com, info@logo-team.com